Pechschwarze Katerstimmung am nächsten Morgen.

Ich bin sehr froh, den Post zum Tag nach der ersten Befruchtung mit etwas Abstand zu schreiben. Die Schwere des Tages wäre, wie der Begriff impliziert, schwer zu ertragen gewesen. Vielleicht sogar ein wenig verstörend für manchen Leser. Aber auf sehr viel Leichtigkeit ist natürlich auch in diesem Text nicht zu hoffen. 

Ich wache also am nächsten Morgen auf und es gibt nur ein Gefühl: Angst. Echte Angst, denn jetzt kann man es nicht mehr rückgängig machen. Es ist eine Angst, die vielleicht nicht jeder selbst erlebt, aber vermutlich nachvollziehen kann. 2017 habe ich meine eigene Firma gegründet – selbstständig war ich schon immer – auch um die Möglichkeit zu haben, meine Zeit mit Kind freier gestalten und es auch einfacher mit in die Arbeit nehmen zu können. Dafür bin ich ein unternehmerisches Risiko eingegangen. Und je nachdem, ob man mit Fremdkapital (Investoren) oder Eigenkapital (Erspartes, Erbe) arbeitet, ist das Risiko kleiner, größer oder enorm. Ich arbeite mit Eigenkapital und Corona hat, wie bei vielen Firmen im Designbereich, Spuren hinterlassen. Wie die Wirtschaft sich entwickelt, ist ungewiss, solange es keine Impfung gibt.

Während ich also eine neue Existenz (aka Baby) erschaffen soll, muss ich mich massiv um meine eigene Existenz sorgen. Denn auch wenn auf Instagram und Co. „Gründen“ wie eine endloses „Du schaffst Alles, wenn Du nur willst“-Party abgefeiert wird… In der Realität kann der pure Wille leider keine Rechnungen bezahlen. 

Natürlich ist meine Existenz – dank Ehemann – nicht im Sinne von „Wohnung verlieren & Hartz4“ gefährdet, aber meine Existenz als selbstständige Frau sehr wohl. Denn sind wir ganz ehrlich: Sollte alles in die Binsen gehen, gelte ich als gut ausgebildete Frau mit 43 und Kleinkind nicht als der ‚Hot Shit‘ auf dem Arbeitsmarkt. Ein Kind würde mich in der aktuellen Situation zu einer abhängigen Frau machen. Dass ich zwei Jahrzehnte gegen diese Situation angearbeitet habe, um nun direkt davor zu stehen, ist schon Ironie des Schicksals. 

Und natürlich durchdenke ich an diesem Morgen das Worst-Case-Szenario, das absolute Fiasko und den totalen Untergang, aber: Life can be a bitch.

Der Mann sieht die schwarzen Wolken und fragt, was los ist. Ich antworte: Nichts, und gehe ihm aus dem Weg. Es tut mir so unendlich leid, ihn in seiner Freude mit meinem Leid zu konfrontieren. Der Tag läuft an und ich muss verschiedene Dinge abarbeiten. An der ein oder anderen Stelle entstehen Gespräche mit Menschen, die ich schon lange kenne. Die Verzweiflung lässt sich schlecht überspielen und die Tränen nicht unterdrücken. Jeder nimmt meine Not ernst, niemand versucht mich mit klischeebehafteten Sprüchen zu beruhigen. Wir einigen uns darauf, dass was kommen soll, schon längst woanders entschieden wurde. Es wird kommen, was richtig für mich ist.

Fatalismus für Fortgeschrittene.

Am Nachmittag treffen der Mann und ich uns in der Küche. Wieder fragt er, was ist. Es würde ihm das Herz zerreissen, mich so zu sehen. Ich sage, es zerreisst mir das Herz, die Freude nicht mit ihm teilen zu können. Dann weinen wir beide. Ich laut, er still.

Die Angst muss raus, sonst wird sie nie verschwinden.

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