Männerwelt.

Ich bin also derjenige hier mit dem unbedingten Kinderwunsch. Irgendwie ja, irgendwie nein. Alles eine Frage der Perspektive. Stünde ich neben einer „normalen“ – also astrein in der Mutterrolle verhafteten und von Babies total begeisterten – Frau, erschiene mein Kinderwunsch vielleicht nur so mittel ausgeprägt. Stehe ich neben meiner – auch total astreinen, aber in dieser Hinsicht eben nicht so „normalen“ – Frau, scheint mein Kinderwunsch übergroß. 

Alles relativ.

Ich glaube nicht, dass mein Kinderwunsch größer ist als bei (vielen) anderen Männern (oder Frauen). Und ich weiß auch nicht, woher der Wunsch kommt – und bezweifle, dass es Sinn macht nach einem Grund zu suchen. Wir haben das Vorhaben länger geschoben und dafür gab es gute Gründe. Aber ich bin froh, dass jetzt endlich los geht.

Sharon hat ja schon in einem Post geschildert, wie ihr zum ersten Mal ein Ei eingesetzt, oder im Jargon der Kinderwunschärzte, wie ihr ein Ei „zurück gegeben“ wurde. Ich saß hinter einem Paravent, keinen Meter entfernt. Vor mir der Bildschirm, auf dem das Innenleben der Frau in Form grauer Schatten flimmerte. Darauf war dann aber ohne Witz klar erkennbar, wie das kleine weiße Ei in diese Schattenwelt entlassen wurde. 

Was natürlich ein absurder Moment ist, hochemotional. Weinen wollte ich nicht, weil ich die für Sharon ohnehin komplizierte Situation nicht noch weiter verkomplizieren wollte. Dass ich aber total bewegt war, ist weder Sharon noch der Ärztin entgangen. Nee, es war ein sagenhafter Moment. Da siehst du eine Live-Übertragung aus dem Uterus deiner Frau, dann wird der Stürmer auf das Spielfeld gesetzt – und das Game ist eröffnet. Da kam ich um feuchte Augen nicht umhin. Vielleicht hab ich auch geweint, aber nur kurz, weil: siehe oben.

Und allein, dass wir die befruchtete Eizelle sehen konnten. Allein, dass die Ärztin zuvor von den vier prächtig entwickelten befruchteten Eizellen sprach, die zufälligerweise den vier Versuchen entsprachen, auf die wir beide uns geeinigt hatten; eine Absprache von der die Ärztin nichts wusste. (Und selbst wenn… Egal.) Das ist natürlich alles hochabstrus. Das komplette Vorgehen ist hochabstrus. Irgendwie.

Es passiert auch alles so unfassbar bewusst. Wir steuern ja jeden Schritt. Heißt auch, wir haben im Zweifel jeden Schritt und sein Timing ausdiskutiert. Und das war zum Teil ein jahrelanges Ringen um den gerade passenden Kompromiss. Das macht natürlich nicht immer nur Spaß. Da gehen die Pläne und/oder die vorher noch zu knackenden Issues der Frau dann mitunter nicht mit den eigenen Vorstellungen zusammen. 

Das geht es ja sonst und bei anderen Schwangerwerdungen auch nicht, schon klar. Aber ich kann mit einem Faktor halt nicht rechnen: dem Zufall. Denn da bei uns alles so geplant und kalkuliert abläuft, kann auch nichts einfach so passieren – sei es durch Unvorsichtigkeit oder Manipulation oder warum auch immer. Wir lassen es nicht einfach so drauf ankommen. Wir können nicht damit rechnen, dass ein ungeplanter Moment Schicksal spielt, Tatsachen schafft und die Diskussion so beendet. Nope, das haben wir so nicht.

Heißt im Umkehrschluss aber auch, dass wir beide recht gut vom Andern bescheid wissen. Und die Bewusstheit des Prozesses sorgt für eine große Gemeinsamkeit. Klar, die Frau wird schwanger. Klar, die Frau stellt sich jetzt dem, was sie nie wollte. Aber in einem sehr kontrollierten, über Jahre geplanten Prozess. Drum schreib ich von Sharons Nicht-Wollen auch explizit in der Vergangenheit. Denn sie hatte Zeit, sich einzudenken – und auch wenn sie sich (Ich auch?) ein erfülltes Leben ohne Kinder easy vorstellen kann, heißt es ja nicht, dass sie den Gedanken von Familie ablehnt. Dabei geht es – auch das muss explizit gesagt werden – um Familie mit mir. Und nur mit mir. Und das ist ja ein herrlicher Liebesbeweis und eine wahnsinnige Investition in unsere Zukunft. Und die tätigen wir gemeinsam und wie gesagt: extrem bewusst.

So, bevor ich mich jetzt wiederhole, kurz zum Punkt Frust: Das war Scheiße, als Versuch 1 – oder Versuch 0, wir wir ihn nennen – nicht zur Schwangerschaft geführt hat. (Sharon hat ja darüber geschrieben.) Da erlebst du dann eine Traurigkeit, die kanntest du vorher nicht. Und krass, das schwingt sogar nach, wo ich jetzt darüber schreibe. Habe jetzt länger nicht darüber nachgedacht und grad Tränen in den Augen. Mannmannmann, was das Leben mit einem manchmal macht.

In diesem Sinne: das Leben. Bald machen wir den zweiten Versuch. Oder besser: Versuch 1.

2 Kommentare zu „Männerwelt.

  1. Hey Ihr Lieben, ich wollte mal viele Grüße dalassen, ich bin beeindruckt, wie Ihr das Ganze GEMEINSAM ALS EINHEIT wuppt. Ich drücke Euch ganz fest die Daumen für Euren Weg.

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